Was ist ein demokratisches Wirtschaftssystem? Dass die Leute, die den Mehrwert miterschaffen, auch an dem Mehrwert beteiligt werden. Eigentlich wäre das gar nicht so schwer! Ich glaube auch, dass man sich ein bedingungsloses Grundeinkommen leisten müsste. Da gibt es auch viel für und wider, aber mir gefällt der Gedanke sehr gut, dass es sich eine Gesellschaft leisten kann, einige mitzunehmen, die einfach gar nichts tun wollen. Und wer weiß, ob dieses „nichts Tun“ nicht vielleicht große geistige Früchte bringt. Es wäre auch schön, all jenen zu zeigen, die jetzt aufschreien, „ich finanziere doch nicht Schmarotzer mit!“, dass gerade das auch zu einem reifen Menschen dazugehört, dass man großzügiger sein sollte. „Wo alle geizen, wagt zu schenken“ heißt es in dem schönen Gedicht von Lothar Zenetti, das ich vertont habe und jeden Abend im Konzert singe.
Wahrscheinlich muss das über einen Bewusstseinsprung geschehen, oder es wird nichts passieren. Das ist eine spirituelle Komponente, die ich immer schon mit einfordere. Ich habe mir damit viel Ärger mit meinen linken Freunden eingehandelt, weil sie das alles als esoterischen Kram abgetan haben. Mittlerweile aber denke ich, dass eine große Öffnung geschehen ist; es ist ganz anders als vor zwanzig Jahren. Man hat erkannt, dass es ohne die Spiritualität, ohne Selbstreflexion einfach nicht geht. Auch linke Modelle, solange sie ausschließlich ideologische sind, können nicht funktionieren, genauso wenig wie die rechten nicht funktionieren oder nur unmenschlich funktionieren. Also muss eine andere Kraft dazu kommen, und das ist eine spirituelle Kraft. Heute trau ich mich zu sagen: eine Kraft der Liebe. Entweder wird es eine liebevolle Welt geben, oder keine mehr. (…)